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Wer schlüpft denn da? Nachwuchs bei den Weißbürzelloris im Weltvogelpark Walsrode

Wolfgang Magnus, Janina Gerbatsch, Anne Hoppmann

Die Papageienvögel (Psittacidae) stellen eine der zwei Familien der Ordnung Psittaciformes dar, die andere Familie umfasst die Kakadus (Cacatuidae).

Loris gehören zu den kleinen bis mittelgroßen Papageien, die meist sehr farbenprächtig gefärbt sind. Diese Gruppe der Papageien zeichnet sich durch ihre besondere Ernährungsweise aus: hauptsächlich werden flüssiger Blütennektar und Pollen aufgenommen. Zur besseren Aufnahme des Nektars ist ihre lange, schmale Zunge an der Spitze mit aufrichtbaren Papillen besetzt, die sich beim Eintauchen in den Nektar mit Flüssigkeit voll saugen. Zurück im Schnabel wird die Zunge am Gaumen ausgedrückt. Zusätzlich zum Nektar ernähren sich viele Loris auch von weichen, saftigen Früchten und gelegentlich Sämereien.

Verbreitet ist der Weißbürzellori (Pseudeos fuscata) in Indonesien auf Neuguinea sowie auf Papua-Neuguinea und den umliegenden Inseln Yapen und Salawati. Er bewohnt dort Berg-Regenwald in einer Höhe von bis zu 2400 m, aber auch städtische Parkanlagen oder gelegentlich Savannen und Plantagen. Diese Art ist sehr gesellig und kann in Gruppen von mehreren tausend Vögeln an Schlafplätzen auftreten. Als Hauptfutter wird, wie bei den anderen Lori-Arten, Nektar bevorzugt, aber auch Pollen, Blüten der Kokosnuss und Früchte wie Mangos werden aufgenommen.

 

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Der Weißbürzellori bevorzugt es in freier Wildbahn, seine Jungtiere in Baumhöhlen in sehr hohen Bäumen in Bergregionen großzuziehen. Normalerweise werden während der Zeit von November bis April zwei weiße Eier gelegt, die für 24 Tage bebrütet werden. Sind die Jungen geschlüpft, dauert es weitere 70 Tage, bis diese flügge werden.

Diese Art wird auf der Roten Liste bedrohter Tierarten als „nicht gefährdet“ geführt. Sie wird aber in Deutschland nur in wenigen zoologischen Institutionen gehalten und setzt sich durch die rötlich-braune Gefiederfarbe von vielen anderen, bunt gefärbten Lori-Arten ab. Der weiße Bürzel, der dieser Art im deutschen Sprachraum ihren Namen gab, ist meist gut unter den Flügeln versteckt und kann nur wenn der Vogel fliegt oder während der Balz von einem geduldigen Besucher entdeckt werden.

Im Weltvogelpark Walsrode wird ein Brutpaar dieser Loris vor den Kulissen in einer Schauvoliere des Lori-Atriums gehalten. Das Brutpaar zeichnet sich durch ein stark territoriales Verhalten, das mit Flügelschlagen einhergeht, aus, wobei der oben erwähnte weiße Bürzel sichtbar wird. Der Nistkasten wird vehement gegen Eindringlinge verteidigt. Regelmäßig legt das Weibchen zwei Eier in einen Holz-Nistkasten. Ihre Eier zeigen eine hohe Befruchtungsrate und es kommt zum Schlupf der Jungtiere. Leider kam es bei diesem Brutpaar noch zu keiner eigenständigen Aufzucht der Jungen – entweder sind diese ein paar Tage nach dem Schlupf verschwunden oder verstorben im oder außerhalb des Nistkastens aufgefunden worden.

Aus diesem Grund wurde im Jahr 2011 entschieden, Jungtiere dieser Art mit der Hand großzuziehen. Insgesamt gelang im Sommer des Jahres 2011 die Handaufzucht von drei jungen Weißbürzelloris.

Die ersten zwei Jungen, die Ende Mai bei den Eltern im Nistkasten geschlüpft sind, wurden im Alter von ca. 2 Tagen in die Handaufzucht gegeben. Wie bei allen Loris sind die Jungtiere anfangs noch sehr klein, die rosafarbene Haut ist mit einem weißen Daunenflaum bedeckt und die Augen sind noch geschlossenen. Direkt nach Entnahme der Jungen aus dem Nistkasten sind diese in einen Wärmeschrank verbracht und etwa die ersten 6 Tage bei einer Temperatur von 37,1 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 65 % untergebracht worden. Beide hatten noch Futterreste von der elterlichen Fütterung im Kropf, so dass sie die ersten Stunden nur mit Feuchtigkeit (Ringerlösung) und Laktobazillen versorgt wurden. Bei Ankunft wogen die kleinen Loris gerade mal 5 g.

In den ersten Tagen wurden die Loris 5 – 6 mal pro Tag mit einem 1:1 Gemisch eines fertig anmischbaren Pulvers zur Fütterung von Loris sowie des zur Papageienaufzucht verwendeten Pulvers „A19 High Energy“ gefüttert. Dem Brei wurden zusätzlich Laktobazillen und Traubenzucker zugefügt. Innerhalb einer Woche konnte eine Gewichtszunahme von 5 auf 14,5 g beobachtet werden. Die Anzahl der Fütterungen wurde auf 4 – 5 mal pro Tag, in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit, mit der die Jungtiere den Brei verdaut hatten, angepasst. Ab dem 6. Tag wurde die Temperatur im Wärmeschrank auf 36,9 °C eingestellt. In den folgenden Tagen wurde die Temperatur schrittweise um 0,1 °C gesenkt, wobei die erfahrenen Tierpfleger immer das Befinden der Jungtiere im Blick behielten, um die Temperatur notfalls wieder dem Zustand der Jungtiere anpassen zu können.

Da die Jungtiere sich weiter prächtig entwickelten und stetig an Gewicht zunahmen, wurden diese ab Mitte Juni im Schnitt nur noch drei Mal täglich gefüttert, wobei der Futterbrei nun 2 : 1 aus Loripulver und A19 High Energy bestand. Im Alter von drei Wochen wiesen die jungen Loris bereits ein Gewicht um die 50 g auf und nahmen zusätzlich zur Fütterung auch selbständig Nahrung von einem bereitgestellten Futterteller auf. Nach sechs Wochen brachten sie es auf etwa 110 g und im Alter von etwa 70 Tagen waren die Jungtiere flügge.

Beim nächsten Gelege des Zuchtpaares wurden die Eier zur Sicherheit schon während der Brutphase nach Anbrütung durch die Eltern aus dem Nistkasten entnommen und in eine Brutmaschine überführt. Dort wurden beide Eier bei einer Temperatur von 37,2 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 55 % weiter bebrütet. Bei einem Ei kam es Ende Juli zum erfolgreichen Schlupf des Jungtieres, das andere Ei war nicht befruchtet. Die erste Fütterung erfolgte bei dem neu geschlüpften Jungtier innerhalb der ersten 24 h nach dem Schlupf, damit das sehr kleine „Würmchen“ genug Energie für den Start ins Leben erhielt. Es gab hierbei, wie bei den ersten Jungen, im weiteren Verlauf keine Probleme in der Handaufzucht.

Inzwischen sind alle Jungen natürlich längst flügge und futterfest, so dass sie sich in den Volieren des Atriums neben ihren Eltern und anderen Lori-Arten tummeln.

In diesem Jahr – pünktlich zum fünfzigjährigen Jubiläum im Jahr 2012 – freut sich der Weltvogelpark Walsrode nun auf viele weitere Jungtiere während der Brutsaison.

Literatur:

  • del Hoyo, J., Elliott, A. & Sargatal, J. eds (1997). Handbook of the Birds of the World. Volume 4. Sandgrouse to Cuckoos. Lynx Edicions, Barcelona.

  • BirdLife International 2009. Pseudeos fuscata. In: IUCN 2011. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.2. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 15 December 2011