Häufig kommt es vor, dass unsere gefiederten Schützlinge nicht mehr fliegen können und unter Flugunfähigkeit leiden. Manche betrifft es schon von Geburt an, bei manchen ist das ein schleichender Prozess.

Die Gründe sind vielfältig, einige Krankheiten kann man therapieren, andere sind leider unheilbar. Trotz allem ist Flugunfähigkeit nicht das Ende des Lebens und auch solche Vögel können ein zufriedenes Leben führen. Als Halter muss man dazu nur einige Dinge beachten.

Aber schauen wir uns erst einmal an, wodurch Flugunfähigkeit ausgelöst werden kann, nicht alle Gründe können hier aufgezählt werden, jedoch sind die häufigsten dabei:

In der Vogelwelt gibt es einige Gefiedererkrankungen, die bei auftretender Flugunfähigkeit zwingend von einem vogelkundlichen Facharzt untersucht werden müssen.

Zum einen gibt es die sogenannte Französische Mauser, die durch Polyoma-Viren übertragen wird. Die Ansteckung ist unter Fachleuten ein Streitthema und nicht restlos geklärt. Vermutet wird eine Übertragung bereits im Ei, sodass vor allem Jungvögel infiziert werden. Eine Ansteckung im höheren Alter ist daher nach derzeit gängiger Lehrmeinung unwahrscheinlich, sicher dagegen die Weitergabe an Nachkommen.

Die Erkrankung verläuft chronisch, weist aber keine typischen Krankheitsverläufe auf. Es kann zu einem Ausfall einiger Schwung- und Schwanzfedern führen sowie zu lückenhaftem Gefieder. Allerdings sind auch schwere Formen bekannt, in denen das komplette Gefieder fehlte. Da die Vögel zunehmend schlechter oder irgendwann gar nicht mehr fliegen können, nennt man sie auch Renner oder auch Hopser. Teilweise sind kurze Flugstrecken möglich.

Eine Behandlung ist nicht möglich, bedeutet aber kein Todesurteil für betroffene Tiere. Einer meiner Hähne ist daran erkrankt, zeigt aber kaum Federstörungen. Jedoch dauert die Mauser meist länger an und die Federn wachsen sehr langsam nach.

Ein vogelkundiger Tierarzt sollte hier unbedingt eine Untersuchung des Gefieders und des Blutes (meist wird eine Feder samt Kiel herausgerissen, um diese labortechnisch untersuchen zu lassen) ansetzen, um die Ursache herauszufinden. Dazu kann gleich auf eine weitere Gefiederstörung getestet werden, die hochansteckend ist und ebenfalls durch Viren hervorgerufen wird:

Die sogenannte „Feder-und Schnabelkrankheit der Papageien“ wird nach der englischen Bezeichnung „Psittacine Beak and Feather Disease“ auch einfach PBFD genannt. Sie wird durch Circo-Viren übertragen und betrifft Großpapageien genauso wie Sittiche – auch bei Wildtieren konnte sie schon beobachtet werden.

Wie auch bei der Französischen Mauser gibt es keinen typischen Krankheitsverlauf, die Krankheit kann sowohl chronisch als auch in Schüben auftreten.

Ist die Krankheit ausgebrochen, kann es zu Veränderungen im Federwachstum sowie am Schnabel kommen. Die Federn wachsen seltsam nach und fallen nach und nach aus, sodass der Vogel im schlimmsten Falle nackt ist und die Haut sich entzünden kann. Der Schnabel kann deutlich rissig und brüchig sein sowie ein schnelles, schiefes Wachstum aufzeigen. Aber Achtung: Leberprobleme können ähnliche Symptome am Schnabel und an Krallen hervorrufen, daher sollte auch hier dringend ein Facharzt aufgesucht werden.

Da bei dieser Erkrankung auch das Immunsystem arg in Mitleidenschaft gezogen wird, können häufig Sekundärinfektionen auftreten und die Situation weiter verschlimmern. Wie lange ein Vogel mit dieser Krankheit lebt, ist daher nicht abschätzbar. Vor allem bei Jungvögeln ist der Verlauf häufig schneller und gravierender.

Leider ist diese Krankheit so tückisch, dass es Fälle von infizierten Tieren gibt, die keine Symptome haben und nur als Überträger fungieren. Das macht die Sache sehr schwierig, da es keine äußerlichen Anzeichen gibt.

Diese Krankheit ist unheilbar und die Ursache kann nicht bekämpft werden, lediglich die Symptome können gelindert werden. Infizierte Vögel sollten aufgrund der Stresssituation erst recht niemals alleine gehalten werden, sondern immer in einem schon von PBFD betroffenen Schwarm ein Zuhause finden.

Selbstverständlich muss nicht näher erläutert werden, dass es grob fahrlässig ist, mit infizierten Vögeln zu züchten. Leider lassen einige Züchter keine Tests durchführen, sodass es immer wieder zum Verkauf infizierter Vögel kommt.

Ziervögel, die unter diesen beiden Erkrankungen leiden, müssen speziell behandelt werden. Vogelkundige Tierärzte können genau abgestimmte Präparate zur Unterstützung des Federwachstums verabreichen und Sekundärinfektionen behandeln. Die Halter sollten zudem dafür sorgen, dass die Ernährung abwechslungs-, vitamin- und mineralienreich ist. Die Papageienbäckerei bietet dafür besonderes Futter und Präparate an, die das Immunsystem sehr gut unterstützen.

Federlose Vögel sollten gut gewärmt werden, da Auskühlungen massive Schäden zur Folge hätten. Eine Einzelhaltung ist ja generell abzulehnen und sollte bei erkrankten Vögeln auch niemals stattfinden. Sozialkontakte sind für Betroffene ganz wichtig.

Weitere Erkrankungen, die nicht ansteckend sind und auch zu Flugunfähigkeit führen können, sind Hauterkrankungen wie eine Xanthomatose oder das EMA-Syndrom. Diese beiden, tw. ähnlich verlaufenden Krankheiten führen dazu, dass sich Verdickungen und Ekzeme im Bereich der Flügel entwickeln und so das Fliegen einschränken oder ganz behindern.

Leidet ein Vogel an Übergewicht, fällt das Fliegen auch schwerer und schränkt die ganze Bewegung ein. Ernährungsumstellung und Bewegung sind hier das A und O, häufig ist die Flugschwäche dann nur ein temporäres Problem.

Auch Nervenschäden, die nach traumatischen Erlebnissen auftreten können, führen unter Umständen zu Flugproblemen. Eine meiner Hennen verbrachte etwa ein Jahr ihres Lebens unter katastrophalen Bedingungen mit einer Katze, Dreck, Hunger und ohne Freiflug. Nach Eingliederung in unserem Schwarm wird sie langsam wieder ein sozialer Wellensittich und schafft nun wieder Strecken von etwa einem Meter.

Wenn Vögel sich rupfen und dadurch nicht mehr fliegen, kann dahinter auch ein Nervenschaden oder ein organisches Problem liegen. Rupfer sollten daher intensiv behandelt und mögliche Stresssituationen als Auslöser vermieden werden. Für Vogel, Halter und Tierarzt ist das eine schwere Zeit, da die Ursachen nicht immer offensichtlich sind und manche Therapien nur bedingt anschlagen. Auch hier sind ein Facharzt und möglicherweise ein Ziervogel-Verhaltensforscher unbedingt notwendig.

Nervenschäden oder auch deformierte Gliedmaßen können aber auch bereits im Kükenalter verursacht werden, wenn es z.B. zu Schädigungen durch falsche Lage oder aggressive Hennen kommt.

Es gibt aber auch angeborene Defekte, sodass Vögel mit verkürzten oder verkümmerten Flügeln aus dem Ei schlüpfen.

Auch Verletzungen führen häufig zu gehandicapten Vögeln. Nach Kollisionen oder anderen Unfällen können Flügelverletzungen, die nicht schnell genug behandelt werden oder nicht therapierbar sind, das Fliegen verhindern. Das betrifft z.B. Flügelbrüche oder ausgekugelte Schultern.

Leider gibt es auch verantwortungslose Züchter, die immer noch die grausame Praxis des Flügelstutzens anwenden. Wird dabei zu weit abgeschnitten, ist der Flügel so zerstümmelt, dass es unumkehrbar ist. Immer wieder werden solche Fälle bekannt. In Deutschland ist diese Teilamputation des Flügels tierschutzwidrig und verstößt gegen das Tierschutzgesetz.

Zu guter Letzt ist noch die Flugunfähigkeit von altersschwachen Vögeln aufzuzählen. Diese schaffen es irgendwann einfach nicht mehr und werden allgemein ruhiger. Hierbei sollte man behutsam sein und ihnen ihre Altersruhe gönnen. Sie werden es dem Halter danken

Jede Flugunfähigkeit sollte von einem vogelkundigen Tierarzt abgeklärt werden, er kann auch die richtige Therapie verordnen. Von Eigenbehandlungen ohne genaue Diagnose ist dringend abzuraten. Ganz wichtig sind eine gut angepasste Ernährung und viel Bewegung, da ohne diese Übergewicht und damit weitere Erkrankungen drohen.

Auch wenn die Flugunfähigkeit nicht behandelbar ist, sind diese Tiere nicht aufzugeben. Wir Halter können mit besonderen Maßnahmen dafür sorgen, dass sie nahezu die gleichen Möglichkeiten haben wie die Flieger. Spielplätze und Käfig sollten so angerichtet und verbunden werden, dass sie für alle erreichbar sind. Mithilfe von Konstrukten aus Leitern und Seilen u.s.w. ist das gut möglich. Im Internet finden sich auf seriösen Seiten viele Tipps, wie man das Leben für die kleinen Läufer bequemer machen kann.

Falls es doch mal zu einem missglückenden Flugversuch oder einem Absturz kommt, sollte der Boden (auch im Käfig) gepolstert sein. Dazu gibt es auch mehrere Möglichkeiten – ich selber habe in der Voliere unter einer Schicht Zeitung alte, ausgemusterte Tischdecken und Handtücher ausgelegt. So ist das Risiko einer Verletzung vermindert, wenn auch nicht ganz ausgeschlossen.

Meine beiden Läufer kommen mit all den Maßnahmen gut klar und stehen den drei Fliegern in nichts nach. Es sind sehr liebenswerte Geschöpfe, die neugierig ihre Welt erkunden und genauso Quatsch machen wie die anderen. Ich hoffe, das bleibt auch noch lange bei uns so.

Juliane mit den Wellensittichen Quintus, Pauline, Ansgar und den beiden Flugunfähigen Frieda und Oskar

 

Das Team der Papageien Bäckerei dankt Juliane Heinze ganz herzlich für diesen tollen Artikel. Solltet ihr Fragen haben an die Autorin oder Erfahrungen austauschen könnt ihr euch gern bei ihr melden:  info@papageien-baeckerei.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.